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"Schlafende Riesen wecken": SEZ und Hafenplatz zu Modellprojekten des behutsamen Stadtumbaus im Programm der IBA 34/37 machen

Initiatorin: Kerima Bouali

zur BVV am 27.05.2026

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Das Bezirksamt wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass das Gelände des Sport- und Erholungszentrums SEZ mitsamt seiner ikonischen Bebauung sowie die Wohnanlage am Hafenplatz, bestehend aus Baukörpern der 1970er Jahre und offen gestalteten Freiräumen, als Modellprojekte des behutsamen Stadtneu- und Stadtumbaus in das Programm der IBA 34/37 aufgenommen werden.

Zu diesem Zweck soll das Bezirksamt Kontakt zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen aufnehmen und einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten, der auch den wesentlichen, im Zusammenhang mit den genannten Standorten in dieser Legislatur gefassten Beschlüssen der BVV, Rechnung trägt. Für das Areal Hafenplatz ist zwingend die konsequente Umsetzung der BVV-Beschlüsse „Prüfung des Erhalts der Wohnbebauung am Hafenplatz“ (DS/1126/VI) und „Pilotprojekt: Behutsame Stadterneuerung am Hafenplatz“ (DS/1403/VI) erforderlich, um die kommunale Übernahme bei einem Verkauf zu gewährleisten. Über den Stand des Austausches mit der Senatsverwaltung soll das Bezirksamt den bezirklichen Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen regelmäßig informieren.

 

Begründung:

Mit dem Beschluss der Anträge „Optimale Nutzung des SEZ-Gebäudes und Geländes für Schulbau, Wohnungsbau und soziale und sportliche Zwecke ermöglichen“ (DS/1130/VI vom 29.05.2024) und „Pilotprojekt: Behutsame Stadterneuerung am Hafenplatz“ (DS/1403/VI vom 29.01.2025) hat die BVV Friedrichshain-Kreuzberg bereits vor längerer Zeit ihren ausdrücklichen Willen bekundet, zwei vom Abriss bedrohte bedeutsame Gebäudekomplexe im Bezirk zu erhalten. Sie sollen im Sinne des Klimaschutzes und einer sozial nachhaltigen Stadtentwicklung behutsam, zukunftssicher und bedarfsgerecht erneuert, ergänzt und weitergenutzt werden.

Am 25.03.2026 hat nun der Senat von Berlin eine Vorlage zur Kenntnisnahme vorgelegt, in der grundsätzliche Überlegungen und inhaltliche Schwerpunktsetzungen zur „Durchführung der Internationalen Bauausstellung Berlin 2034-37“ skizziert werden (Drucksache 19/3097). „Im Mittelpunkt“, so heißt es dort, steht „die urbane Transformation der gebauten Stadt. Die IBA Berlin 2034-37 wird Lösungsansätze für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung im Kontext der beiden übergeordneten Transformationsbedarfe Klimaschutz und Klimaanpassung und Umgang mit städtischem Grund und Boden entwickeln. Ziel ist es, das Vorhandene weiterzuentwickeln. Dabei wird der Bestand – Gebäude, Infrastrukturen, Freiräume und Materialien – als Ausgangspunkt einer zukunftsgerechten Stadt begriffen.“ Als „Prämisse“ der geplanten IBA wird der „Erhalt bestehender gebauter Strukturen“ genannt, deren „Ertüchtigung, (Wieder-) Nutzbarmachung, Umnutzung und schonenden Umbau gegenüber Neu- oder Rückbau und Ersatzneubau“ favorisiert wird.

Diese Ausführungen prädestinieren nach Auffassung der Bezirksverordnetenversammlung das SEZ und den Hafenplatz für die Aufnahme in das Programm einer IBA, deren Ziel es ist, mit einem auf Erhalt und Umbau fokussierten Ansatz „schlafende Riesen“ zu wecken. Sowohl das SEZ als auch die Wohnanlage am Hafenplatz haben sich mit ihren ausdrucksstarken Gebäuden in das Berliner Stadtbild eingeschrieben und verkörpern einen für Ost- und Westberlin jeweils prototypischen städtebaulich-architektonischen Zeitgeist der frühen 1980er bzw. der 1970er Jahre, der sich in den optimistisch und experimentierfreudig entworfenen und selbstbewusst platzierten Großformen spiegelt. Beide Anlagen sind in der Vergangenheit von ihren Privateigentümern sträflich vernachlässigt worden und deshalb in die Jahre gekommen – ihre soziale und baukulturelle Bedeutung, ihr Gebrauchswert und ihre Kapazität für eine sozial-ökologisch behutsame Erneuerung und Fortnutzung bestehen aber fort und legen deshalb ihre Bearbeitung als IBA-Modellprojekte nahe.

Das SEZ befindet sich zudem in unmittelbarer Nähe zur Ringbahn entlang einer querenden Radialen und damit direkt im Fokus des „erweiterte(n) Ringszenario(s)“, das einen räumlichen Schwerpunkt der Bauausstellung bilden soll, weil hier besondere „Potentiale zur Vernetzung zwischen innerer und äußerer Stadt“ und die Entwicklung „verbindende(r) Stadträume“ bestehen. Ausgangspunkt sollte der ressourcenschonende Erhalt des SEZ-Gebäudes und seine nachhaltige Ertüchtigung für wohnumfeldnahe, niedrigschwellig zugängliche Nutzungen sein. Aus sozialen und wohnungspolitischen Gründen unstrittig ist die Realisierung des Wohnungsbaus durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft im weiteren Umgriff des Bebauungsplans 2-43.

Aber auch die Wohnanlage am Hafenplatz, über deren Zukunftssicherung sich das Bezirksamt laut eigenen Angaben bereits seit längerem im Austausch mit dem Land Berlin befindet, ist ein „schlafender Riese“. Auch er verdient eine programmatische und strategische Aufmerksamkeit. Denn vor dem Hintergrund dringend erforderlicher Klimaanpassung, anhaltender Gentrifizierungsprozesse und der Krise bezahlbaren Wohnens im gesamten Stadtgebiet kann es einer IBA 34/37 nur guttun, wenn sie an die für Kreuzberg so prägende Tradition der behutsamen Stadterneuerung anknüpft und dem Geist der legendären IBA-Alt von 1984/87 zum 50-jährigen Jubiläum neues Leben einhaucht.

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