Kiezkantine im Rathaus Kreuzberg
zur BVV am 25.03.2026
Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:
Das Bezirksamt wird aufgefordert, ein Konzept vorzulegen, wie in den leerstehenden Räumlichkeiten im zehnten Obergeschoss des Rathauses Kreuzberg, die bis 2017 für den Kantinenbetrieb genutzt wurden, wieder eine betriebsfähige Kantine eingerichtet werden kann.
Die Planung sollte sich an dem Ziel orientieren, möglichst zeitnah eine zugängliche und kostengünstige Kantine sowohl für die Beschäftigten in der Verwaltung als auch für die Bürger:innen im Kiez zu schaffen, etwa indem die Räumlichkeiten unter entsprechenden Auflagen kostenlos verpachtet werden. In einer entsprechenden Ausschreibung wären dabei eine möglichst erschwingliche Preisgestaltung, das Angebot gesunder, ausgewogener Mahlzeiten sowie tarifliche Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen für die Kantinenbeschäftigten zu berücksichtigen.
Die genannten Räumlichkeiten sollen bis zum Abschluss der Prüfung und des weiteren Entscheidungsprozesses erhalten bleiben und nicht für andere Zwecke umgebaut werden.
Begründung:
Die Wiedereinrichtung einer öffentlich zugänglichen Kantine im Rathaus Kreuzberg bietet die Chance, einen zentralen Ort der Versorgung und Begegnung im Bezirk zu schaffen. Angesichts stark gestiegener Lebenshaltungskosten und Lebensmittelpreise besteht ein wachsender Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten, die eine warme, ausgewogene Mahlzeit zu einem erschwinglichen Preis ermöglichen. Gerade im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der durch soziale Heterogenität und eine überdurchschnittliche Armutsgefährdung geprägt ist, fehlt es an solchen für alle zugänglichen Versorgungsorten.
Eine Kiezkantine im Rathaus kann diese Lücke schließen. Weil sie unabhängig von Einkommen, Alter oder sozialem Status allen Menschen offensteht, können Bedürftigkeitsprüfungen vermieden werden – die Inanspruchnahme des Angebots wird dann nicht als stigmatisierend wahrgenommen. Die Kantine würde damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung alltäglicher Grundbedürfnisse leisten und könnte zugleich die zunehmende Abhängigkeit von überlasteten, oft ehrenamtlich organisierten Hilfsstrukturen wie der Tafel etwas abfedern. Durch eine kostengünstige Preisgestaltung und ein ausgewogenes Essensangebot kann sie insbesondere Menschen mit geringem Einkommen im Alltag konkret entlasten. Verbunden ist das auch mit einer Zeitersparnis für die Kantinenbesucher:innen, von der vor allem Alleinerziehende und Berufstätige profitieren – auch diejenigen, die sich immer teurer werdende Besuche in Restaurants für sich und ihre Kinder nicht regelmäßig leisten können.
Darüber hinaus kann eine solche Kantine als sozialer Treffpunkt wirken. Gemeinsames Essen schafft Begegnungen, fördert Austausch und wirkt sozialer Isolation entgegen. Dies ist insbesondere für ältere und alleinlebende Menschen, die immer stärker unter Einsamkeit leiden, von großer Bedeutung. Als Begegnungsraum kann eine Kantine dazu beitragen, Nachbarschaften zu stärken und Menschen unterschiedlicher Milieus und Generationen miteinander in Kontakt zu bringen. Die Verortung trägt zudem dazu bei, das Rathaus stärker als offenen Ort im Kiez zu verankern und so Berührungsängste zwischen der Stadtgesellschaft und Politik und Verwaltung abzubauen.
Von einem solchen Angebot profitieren auch die Beschäftigten im Rathaus: Sie erhalten wieder die Möglichkeit, unkompliziert und preiswert direkt im Haus zu essen, ohne auf deutlich teurere Angebote im Umfeld zurückgreifen zu müssen. Das kann sich positiv auf die Attraktivität des Arbeitsplatzes und die Mitarbeitendenzufriedenheit auswirken.
Die betreffenden Räumlichkeiten im zehnten Obergeschoss des Rathauses stehen seit 2017 leer und wurden bereits zuvor für den Kantinenbetrieb genutzt. Sie sind daher grundsätzlich für diesen Zweck geeignet. Damit die Möglichkeit der Wiederinbetriebnahme erhalten bleibt, sollen die Räumlichkeiten vorerst gesichert werden.
