Gegen den Hochhaus-Wahn!

Rede von Gaby Gottwald

Wer kennt es nicht? Es gibt ein Problem und das zieht eine Kette von Folgeproblemen nach sich. So ist es auch mit dem Amazon-Tower. Er ein Fremdkörper, störend, erschlagend. Doch ist er nicht mehr allein, deklariert man ihn zur Landmarke eines neuen Hubs von Hochhäusern. Ein Unfall des Städtebaus wird plötzlich zur stilbildenden Sinngebung. Eine drastische Fehlplanung soll weitere legitimieren.

So scheint Strategie des Berliner Bausenators, Christian Gaebler (SPD). 

 

An der Rudolfstraße 18, fast gegenüber dem Amazon Tower, plant die Atrium Development Group GmbH einen Gebäudekomplex mit einem Hochhaus von 150 m. Entgegen der Planung des Bezirkes, entlang der Bahnanlagen ein Gewerbegebiet gerade auch für lautes Gewerbe festzulegen, intervenierte Senator Gaebler im März 2025 mit einer Weisung und zog das Vorhaben an sich, um das Hochhaus zu sichern.

 

Neue Hochhäuser zergliedern lebendige Quartiere, verschandeln oft eine gewachsene Stadtarchitektur. Fakt ist: Der Bau von Hochhäusern ist sehr kostenträchtig- je höher, desto teurer. Eine Grundregel besagt: ab 60 m Höhe wird kein Wohnraum mehr zu leistbaren Mieten geschaffen.  Deswegen bauen die kommunalen Gesellschaften auch nicht über 60 m.

 

Folglich soll der Wohnturm auch keine bezahlbaren Wohnungen bieten. Diese werden in Blockrandbebauung neben dem Turm gebaut. Der wird also nicht entstehen, um die Bedarfe vor Ort zu decken für mehr bezahlbaren Wohnraum, sondern ausschließlich, um mit möglichst viel Baumasse renditeträchtige teure Wohnungen in den Kiez reinzubauen.

 

Das Baukollegium von Juli übte Kritik am Entwurf: zu hoch, zu dichte Baumasse, zu wenig Freiflächen, minderwertige Wohnsituation bei den Sozialwohnungen, da zu dunkel.

 

Da fragt man sich zurecht: was sollen wir im Bezirk mit dem Scheiß?

 

Und noch während man sich wundert, wie Senator Gaebler wie mit der Dampfwalze das kommunale Planungsrecht niederbrettert und reguläre Beteiligungsprozesse platt macht, ist das nächste Problem im Anmarsch. The HUB- direkt hinter dem Hochhaus, das man nicht braucht, soll das nächste entstehen.

 

Dieser Dreiklang von Hochhäusern, wie Architekten sich gerne äußern, ist ein veritables Problem für Friedrichshain. Sie verschandeln den Bezirk, konterkarierende die kommunale Planung, treiben die Bodenpreise in die Höhe und decken keinerlei Bedarf, der in den umliegenden Kiezen existiert.

 

Ich frage mich schon länger, was treibt den Bausenator an, sich beständig über die kommunale Planung des Bezirks hinwegzusetzen und stattdessen hingebungsvoll meist internationalen Kapitalanlegern ihr Geschäft zu erleichtern? Ich las in der Zeitung, Herr Gaebler sei Sozialdemokrat. Ich will das mal glauben.

 

Wir haben es bei der UM gesehen. Städtebaulich und klimapolitisch eine Katastrophe. Der Bausenator machts möglich. Für den Kapitalfonds in Luxemburg ist dies die Rettung, denn er hat massive Finanzierungsprobleme, wie der Jahresbericht 2024 ausweist. Doch erhalten sie nun den B-Plan für das Baufeld Süd, können und werden sie laut Jahresbericht 2024 das Baufeld verkaufen und der Renditeverlust kann abgewehrt werden. Dann soll das Baufeld Nord folgen. Das beglückt dann auch den Hauptaktionär der Muttergesellschaft Periskop, Christian Angermayer. Der Milliardär tummelt sich im Umfeld der Tec-Milliardäre in den USA und im Umfeld der Familie Trump.

 

Und das Grundstück für das Hochhaus The HUB gehört der Anschutz Entertainment Group. Die wiederum ist eine Tochter der Anschutz Coperation mit Sitz in Denver Colarado, die dem Öl- und Gasmagnaten Phillip Anschutz gehört. Er gehört zu den Evangelikalen, deren rechts-konservative Publikationen er gerne sponsert.

 

Muss man solchen Leuten die Grundstücke über die Genehmigung von Hochhäusern veredeln? Und glaubt der Senator, die Friedrichshainer wünschen sich ein Klein-Denver an der Warschauer Brücke? Sie werden es ihm schon mitteilen- bei den Wahlen in 2026.

 

Ich weiß wirklich nicht, was die Leitungsebene in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung umtreibt. Zeitgemäße Vorstellungen über Stadtentwicklung und bedarfsgerechten Wohnungsbau sind es jedenfalls nicht.

 

 

Die geplanten Hochhäuser sind nicht nur völlig unnütz für den Kiez sondern auch schädlich. Sie werden zudem als Argument dienen weitere zu bauen. Man ist nahezu verpflichtet, ernsthaft zu versuchen diesen städtebaulichen Unfug zu verhindern.

 

Zurück